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Ruanda, Dezember 2014 – Ein Reisebericht von Jürgen Clos

Am Samstag, den 6. Dezember kurz vor 7 Uhr ging es von Frankfurt über Amsterdam nach Kigali. An Bord waren Eckhard Mielke, der Schulleiter der Meisterschule für Handwerker Kaiserslautern und Jürgen Clos, Leiter der Abteilung Elektro/Metall an der Meisterschule. Ankunft in Kigali war um 22:30 (21:30 MEZ).

Am Flughafen werden wir von Paul Umukunzi abgeholt, der uns auch zu unserem Hotel in Kigali bringt. Paul wird in den fünf Tagen unser täglicher Begleiter sein und uns viel Interessantes über Ruanda, die Leute und auch das Bildungswesen erklären.

Paul Umukunzi ist der Vice-Principal des IPRC South. Er hat in Kaiserslautern Bauin-genieurwesen studiert und fühlt sich nicht nur deswegen Kaiserslautern verbunden. Er hat sogar in Kaiserslautern geheiratet, eine Ruanderin, die er in Paris kennenlernte.

Ziel unserer Reise war es, sich ein Bild über das Land und das berufliche Bildungswe-sen und insbesondere über das IPRC South vor Ort zu machen mit dem Ziel eine Partnerschaft zwischen der Meisterschule und dem IPRC South in die Wege zu leiten.

Sonntag: Erkundung Kigali. Mischung aus attraktiver Großstadt und vielbevölkertem Chaos. Sehr viele schöne und gepflegte Wohnhäuser der reicheren Bevölkerung. Oftmals umgeben von einfachen Hütten. Die Bewohner dieser Hütten werden aber immer mehr aus dem Stadtbild verdrängt, um Platz für Neubauten zu schaffen. Die Regierung ist sichtlich bestrebt, Kigali ein modernes Stadtbild zu geben. Davon zeugen auch die Hochhäuser im Zentrum. Hier sind auch einige neue Großbaustellen zu sehen, die überwiegend von chinesischen Baufirmen hochgezogen werden. Überhaupt ist China gerade im Bausektor stark aktiv. Viele der neuen Straßen wurden von ihnen gebaut.

 Paul fährt uns durch Kigali. Er erzählt, dass die Chinesen auch nachts an den Straßen im Land weiterbauten, die ruandischen Arbeiter aber nachts nicht dabei sein durften. Auch haben sie Erde von den Bauarbeiten mit dem Flugzeug ausgeflogen. Was da der Grund dafür war?

Es ist ein Sonntag und man sieht sehr viele Leute in guter Kleidung auf der Straße. Dort wo es nochmals etwas mehr Leute sind, da ist dann meist eine Kirche in der Nähe, die am Sonntag zumeist drei Gottesdienste abhalten, da die Nachfrage so groß ist.

Montag: Besuch des IPRC Kigali am Morgen. Heute besuchten wir das IPRC in Kigali
(http://www.iprckigali.ac.rw). Bei einem IPRC, Integrated Polytechnic Regional Centre,
von denen es fünf in Ruanda gibt, handelt es sich um ein großes berufliches Ausbildungszentrum. Den Schwerpunkt stellen dabei handwerkliche Berufe dar. Ein IPRC
bietet dabei von Diplom-Programmen von drei Jahren Dauer über eine weiterführende
technische Schule bis hin zu speziellen Kursen auf Wunsch der Arbeitgeber ein breites
Spektrum an.

Der Besuch der Schule war hochinteressant. Zum Teil verfügt die Schule über eine hervorragende Ausstattung. Das IPRC in Kigali profitiert dabei von einer sehr starken Unterstützung aus Südkorea und Kuwait.

Am Nachmittag besuchten wir das Gonozide Memorial. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll: dass Nachbarn sich nicht nur umbringen, sondern vor dem Umbringen den anderen verstümmeln, verunstalten und die Frauen vergewaltigen und dann töten oder das bewusste Wegschauen. Die UNO hatte sich schändlich verhalten. Die UN-Truppe vor Ort hätte vieles verhindern können. Ihr Kommandeur wollte, durfte aber nicht. Hier kann vermutet werden, dass die Clinton-Administration Druck auf die UN machte. Kagame, der heutige Präsident Ruandas und damalige Führer der RPF, wurde auf einer Militärakademie in den USA ausgebildet. Frankreich lieferte Waffen und unterstütze die mordenden Hutu, die, aufgestachelt durch Propaganda, versuchten die Tutsi-Minderheit zu vernichten. Nach dem Einmarsch der RPF half Frankreich vielen Mördern zur Flucht und die Kirche gewährte den Mördern Asyl.

Dienstag: Besuch des IPRC South (http://iprcsouth.ac.rw/). 120 km Fahrt von Kigali in den Süden nach Huye. In einem engen Besprechungszimmer wurden wir empfangen und von der Leitungsebene der Schule, ca. 10 Personen, begrüßt. Dr. Barnabe Twabagira, der Leiter gab uns einen Überblick über das System der beruflichen Bildung in Ruanda. Dies basiert auf den drei Schulformen

  • VCT, Vocational Training Center,
  • TSS, Technical Secondary School und
  • Diplom, 2 oder 3 Jahre praktisches Training und Theorie.

Darauffolgend stellte jeder Direktor seine Abteilung vor. Einer ist für Elektrotechnik zuständig, die nächste für die Hauswirtschaft usw. Gesprochen wurde dabei Englisch, sozusagen seit ein paar Jahren die Pflichtsprache an weiterführenden Schulen in Ruanda.

Danach stellte ich unsere Schule mit ihren drei Säulen

  • Dreijährige Berufsfachschule,
  • Meisterschule und
  • Fachschule für Technik

vor. Unglaublich gefesselt schauten sich alle die vorgeführten Filmausschnitte an, die einen Einblick in unseren Schulbetrieb geben sollten.

Abschließend wurde das MoU, Memorandum of Understanding, eine grundlegende Vereinbarung über die weitere Zusammenarbeit, diskutiert.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit dem Leiter des IPRC South und Paul wurden uns der Campus mit den Klassenräumen und Werkstätten gezeigt. Dabei konnte man wieder sehr viel über Entwicklungshilfe lernen. Zum Teil eine Ausstattung wie sie sich Schulen bei uns nicht leisten würden, die aber hier vollkommen fehl am Platz ist. Zum Bsp. ein Simulator für ein Art Stromnetz, das es so hier nicht gibt. Oder moderne Schweißgeräte, bei denen nicht klar ist, wie sie bedient werden müssen. Die Lehrer sind überwiegend Absolventen einer der recht vielen Universitäten Ruandas. Das Master-Niveau hier ist aber nicht mit dem westlicher Länder vergleichbar. Zudem fehlt vielen Lehrern vollkommen der Praxisbezug, da es einfach nicht die passenden Firmen gibt.

Für die Rückfahrt am Abend nach Kigali brauchten wir über 3h, da viele langsame Lkw unterwegs waren und ein Überholen auf der kurvenreichen Strecke nicht einfach ist. Obwohl schon dunkel, waren viele Radfahrer zu sehen. Natürlich ohne Licht.

Mittwoch: Offizielle Unterzeichnung des MoU bei der WDA in Kigali. Die WDA ist der Zweig des Bildungsministeriums, der für die berufliche Bildung zuständig ist. Hier wurde in offiziellem Rahmen das MoU von Dr. Barnabe Twabagira und OStD Eckard Mielke im Beisein von Jerome Gasana, dem Generaldirektor der WDA, unterzeichnet.

Durch eine Terminverschiebung hatten wir plötzlich den Nachmittag frei. Anuschka Häußler vom Koordinierungsbüro von RLP in Kigali empfahl uns raus ins Land zu fahren um Eindrücke zu gewinnen. So fuhren wir mit Paul nach Gisenyi, wo wir auch übernachteten. 150 km Fahrt in den Norden. Dauer ca. 3h, trotz eigentlich guter neuer Straße.

Die Fahrt verlief über sehr viele der "tausend Hügel" Ruandas. Die Eindrücke wie grün das Land ist vertieften sich insbesondere durch den Vergleich mit der Fahrt nach Huye. An den Straßen drängten sich die Menschen, bepackt mit Körben voller Früchte und Gemüse, Baumaterialien und Tieren. Obwohl man sich auf einer der wichtigsten Verbindungstraßen durch Ruanda befindet, man also die abgelegenen Teile des Landes gar nicht zu Gesicht bekommt, merkt man, dass Kigali und der große Rest des Landes zweiverschiedene Welten sind.

Donnerstag: Am nächsten Tag ging es nach einer Stadtbesichtigung in Gisenyi zurück nach Kigali. Am Nachmittag hatten wir noch einen Termin im Koordinierungsbüro mit Frau Jahn, der Leiterin des Büros.

Den Abend verbrachten wir mit Paul, der uns dann auch zum nahegelegenen Flughafen brachte, wo er uns auch bereits am Samstag abgeholt hatte.

Fazit: Ein faszinierendes, wunderschönes Land, das den Titel Schweiz Afrikas zu Recht trägt. Kigali ist sauberer als Kaiserslautern.

Ein Land in dem sich zurzeit sehr viel tut. Ein Land das aber auch noch sehr viel zu tun hat. Gerade auf dem Land fehlt häufig frisches Wasser und Strom gibt es auch nur für die wenigsten.

Eindrücke