Sie sind hier: MHK /Schule /Berufsfachschule /Steinmetz - Berufsfachschule /Klassenfahrt nach Athen

Eulen nach Athen tragen? Dann lieber das eigene Gepäck...

Steinmetze der Meisterschule für Handwerker reisen nach Athen.

Vorhaben:

Die jährliche Studienfahrt der Steinmetzabteilung der Meisterschule für Handwerker (MHK) steht an. Wie üblich fahren die Meisterklasse und das zweite Lehrjahr der BFs. Diesmal geht es ins Ausland. Athen soll es sein. Warum? Weil die antiken Griechen das erste Mal Stein bearbeiteten, wie wir es heute noch tun. Mit den gleichen Werkzeugen. In bis heute unübertroffener Genauigkeit. Weil sie auch die Gestaltungslehre prägten, nach der wir heute noch entwerfen. Weil sie Profilglieder und Reliefs entwickelten, die wir heute noch so arbeiten. Weil Griechenland Europa ist und doch so anders, weil wir einfach mal was anderes sehen wollen. Ich könnte noch mehr "weils" aufzählen... Und außerdem muss man als Steinmetz einfach die Akropolis gesehen haben. Wenn schon Studienfahrt, dann soll's auch was besonderes sein.

Organisation:

Die Planung beginnt bereits im Schuljahr davor. Angebote einholen, Geld muss her, Einverständniserklärungen der Schüler müssen unterschrieben sein, auch wenn die Meisterklasse eigentlich noch nicht gebildet ist, Genehmigungen müssen erteilt werden... Da kommt was an Organisation zusammen. Die Risiken darf man auch nicht vergessen, Flüge werden zunehmend teurer, je später man bucht. Im Oktober des neuen Schuljahres ist es endlich geschafft, das war eine Aufgabe...

Tag 1, Ankunft in Athen:

Am 30. Oktober geht es los. Treffen in Frankfurt am Flughafen. Alle sind pünktlich, CheckIn per Internet erledigt, wir müssen nur noch die Koffer loswerden und rechtzeitig am Gate sein. Ein langer Fußmarsch in Frankfurt am A-Finger. Ganz schön was los, Montags Abends um 17:00 Uhr. Der Flieger kommt, Schlange stehen, drin. Linienflug mit Aegean Air, Member of Star Alliance, ein nagelneuer Airbus 321, Ledersitze, warmes Essen und Getränke an Bord und alle sprechen Griechisch. Der erste Hauch von Exotik und Fremde. Schon ganz schön spät. Der Flughafen ist größer, als erwartet. Jetzt noch in die Stadt, mit der neuen Metro kein Problem, aber die Frau am Ticketschalter spricht nur Griechisch und ein sehr, sehr schnelles Englisch mit Akzent. Aber auch das lösen wir. Gegen 23.30 Uhr sind wir im Hotel. Mitten in der Stadt. Auch hier ist noch ganz schön was los. Aufgekratzt von der Anreise ziehen verschiedene Gruppen los, um die Umgebung zu erkunden und noch etwas zu essen aufzutreiben. Zum Glück gibt es nebenan eine 24h Konditorei, davor ein Kiosk und gegenüber ein Imbiss. Eine Pita, ein Hamburger und drei Gläser Wein und wir sind bettfertig.

Tag 2:

Das Frühstücksbuffet ist gut und reichlich. Neben Spiegelei und Wurst gibt es kandierte Früchte, Tomaten, Gurken und Melonen, Kartoffel-Gemüseauflauf. Griechenland. Nach dem Frühstück ziehen wir los Richtung Akropolis. Zu Fuß, wir sind ja zentral. Hier sieht es anders aus, als in Frankfurt, München oder Stuttgart. Engere Bebauung, Unmengen an kleinen Läden. Die eine Straße ist zerfallen und riecht nach Urin, in der nächsten Straße herrscht das pralle Leben samt blitzsauberer Geschäfte. Eindrücke, die man in dieser Dichte kaum verarbeiten kann. Die Finanzkrise und das Flüchtlingsproblem sind nicht zu übersehen, trotzdem wirkt es nicht unsicher. Langsam kommen wir in die Touristenviertel rund um die Akropolis. Andenkenläden und Tavernen wechseln sich ab. Dann der Monastirakiplatz. Ist hier was los: Gemüsehändler, propere Läden und nebenan die Obdachlosen der Krise. Und wir können die Akropolis auf ihrem Berg thronen sehen. Wahnsinn... Wir steigen durch enge Gässchen und viel Trubel den Berg hoch, vorbei an römischer Agora am Turm der Winde und an Straßenmusikern. Ein Blick über die Stadt auf dem Aeropagus Hügel. Ist das alles groß! Es ist alles kaum zu erfassen. Nun wollen wir hineingehen. Vor den Kassen stehen ellenlange Schlangen an Menschen. Wir erfahren, dass wir an den Busparkplatz müssen, dort am Schalter gibt es Freikarten. In Griechenland dürfen Schüler und Studenten kostenlos in alle Museen. Drinnen. Hier ist alles noch größer. Im Fernsehen und auf Bildern haben wir das alles längst gesehen. Aber in der Wirklichkeit ist die Akropolis ein enormes Erlebnis. Am Parthenon wird restauriert. Steinmetze haben ein riesiges Marmorteil mit dem Kran heruntergehoben und die Archäologen vermessen es, machen Fotos und Zeichnungen, diskutieren. Alles hochwissenschaftlich. Hier wird auf Weltniveau restauriert, handwerklich und akademisch, das sieht man. Überall in diesem Riesentempel sind Leute zu sehen, Steinmetze, die ergänzte Stücke bearbeiten und Archäologen, die mit Kamera oder Stift Dinge erfassen. Die Bauhütte ist auch riesig. Wenn wir da mal reinkönnten... Leider kommen wir nicht an Menschen heran, alle sind hochkonzentriert und geschäftig. Dazu die Sprachbarriere. Vielleicht beim nächsten Mal. Müssen wir in die Planung aufnehmen. Irgendwann ist es genug, die Augen müssen ruhen und das Gehirn verarbeiten. Ich habe selten so viele winzige Details im Stein entdeckt. Unglaublich, wie präzise die damals gearbeitet haben. Wir machen Mittagspause, essen in einer Taverne in der Nähe der griechischen Agora und betreten danach das Gelände. Auch hier, alles riesig. Ruinen, Freiflächen, Olivenbäume und die milde Athener Winterluft (16-18° C) schaffen eine Stimmung, die schwer zu beschreiben ist. Wir stehen auf mehr als 3000 Jahren Stadtgeschichte und entdecken immer noch Neues. Immer wieder erzählt einer etwas über ein Detail oder ein Gebäude oder ganz allgemein über die griechische Antike. Nach dem Tempel des Hephaistos laufen wir zur rekonstruierten Stoa, der zweigeschossigen Wandel- und Geschäftshalle. Unglaublich eindrucksvoll ist alles. Im Erdgeschoss befindet sich ein Museum. Ein 2300 Jahre alter Grill mit riesigen Fleischspießen. Ein paar Meter weiter ein Helm und ein Schild, im Kampf beschädigt. Daneben Kämme, Töpfe, Lampen... Hier herrschte komplexes städtisches Leben, als Kelten und Germanen, Völker ohne Schrift, in vereinzelten Lehmgehöften in Wald und Sumpf hausten. Der Kopf ist voll, wir machen Feierabend. Gehen auf Umwegen zurück ins Hotel. Straßen, Läden, Eindrücke. Zurück im modernen Athen. Kunst, Kultur, ein Café hat ein komplettes Haus in ein Halloween-Erlebnis umgewandelt. Ein kompletter Straßenzug ist von Grafittikünstlern gestaltet. Für heute reicht's, der Abend ist frei...

Tag 3:

Wieder marschieren wir nach dem Frühstück los. Diesmal in die entgegengesetzte Richtung. Es geht zum archäologischen Nationalmuseum. Die Straßen sehen auf dem Weg dahin anders aus. Immer noch stehen viele Läden leer, die Krise. Aber es gibt keine verfallenen Straßen mehr. Am Museum angekommen, ein riesiger Platz davor, fallen uns die Mannschaftsbusse der Polizei auf. Schwerbewaffnete Polizisten in Schutzkleidung stehen draußen und unterhalten sich. Man kann in den Bus hineinsehen, Kissen, Decken, Wasserkocher, die leben da drin. Diese Busse stehen an allen neuralgischen Punkten in der Stadt. Reaktion auf die Krawalle zu Beginn der Krise. Auch wenn Athen teilweise heruntergekommen wirkt, die Kriminalitätsrate ist niedrig, Frankfurt ist in manchen Gegenden wüster. Wir gehen ins Museum, hier sind die Klassiker zu finden: Goldmaske des Agamemnon, Bronzeplastiken, Skulpturen aus Marmor, Keramik, Schmuck, Gebrauchsgegenstände. Von der Frühzeit bis zur römischen Herrschaft. Auch hier, es ist wahnsinnig viel und wahnsinnig gutes Zeug. Wir finden Bearbeitungsspuren an Skulpturen. Was hatten die für Werkzeuge? Extrem feine Hiebe in einer Qualität... und das auf der Rückseite! Unglaublich. Mich beeindrucken die Alltagsgegenstände aus Bronze. Ein Türbeschlag samt Schloss und Schlüssel. 2500 Jahre alt. Das Museum hat einen sehr schönen Innenhof mit Café, hier finden wir ein bisschen Ruhe. Schon für dieses Museum, reicht ein Tag nicht aus. Wir haben nur einen Bruchteil gesehen, aber wir wollen nach der Mittagspause weiter. Wir laufen Richtung Omoniaplatz und den zentralen Markthallen. Schon wieder ändert sich das Stadtbild. Immer mehr Geschäfte, Kleidung, Haushaltswaren, Pflanzen, alle Mögliche. Runter von der Hauptstraße durch enge Gässchen, in denen sich ein winziges Lädchen an das andere reiht. Hier gibt es alles. Handyladekabel neben Einmachgläsern für Oliven. Wieder raus auf eine größere Straße und wir stehen vor dem zentralen Fleisch- und Fischmarkt. Links die Hallen, rechts auf einem Platz kleinere Buden. In den Hallen: Fisch, Fleisch, Wurst. Alles eisgekühlt, offen, ganze Tiere hängen da. Offensichtlich eine andere Esskultur. Und es riecht nirgends unangenehm, dagegen riecht es hinter dem Fischwagen auf manchem deutschen Wochenmarkt ganz schön. Draußen gibt es Gemüse, Wurst, Käse und... Oliven. Berge davon. Kräuter und Gewürze und ein beeindruckender Flohmarktladen. Gucken, riechen, die Gruppe sammeln und weiter. Wir fahren mit der Metro zum Syntagmaplatz. Dort steht das griechische Parlament. Im U-Bahnhof sind die Wände verglast. Dahinter die antike Kanalisation, Ausgrabungen. Wir steigen aus dem Tunnel ans Licht und die Stadt hat sich wieder verändert. Schick ist es hier, samt Luxushotel. Vor dem Schloss, Sitz des Parlaments, stehen die Wachsoldaten der Ehrengarde, die Evzonen, am Grab des unbekannten Soldaten. Mit den Quastenschuhen und den Faltenröcken sehen sie fremd und beeindruckend aus. Wir haben Glück und eben beginnt der Wachwechsel. Einer der Schüler spricht es aus: es wirkt wie ein komplizierter, abgezirkelter Tanz. Schwer zu beschreiben, aber eindrucksvoll. Wir gehen weiter zum neuen Akropolismuseum. Moderne, preisgekrönte Architektur erwartet uns. Leider ist es schon später Nachmittag und der Tag war voller Eindrücke. Morgen früh werden wir das Museum besuchen, in Ruhe und mit Muße. Die Gruppe teilt sich. Einige wollen weiter die Stadt erkunden, andere mit der Metro nach Piräus fahren, ans Meer. Die Wagen sind voll, Feierabendverkehr. In den weiter am Meer liegenden Vierteln fährt sie oberirdisch. Ganz klar moderne Wohnviertel, was man da draußen sieht. Dichte Bebauung, mehrgeschossig und zwischendrin Sportplätze, Parkplätze, Kiosks, Geschäfte und Restaurants. Draußen kommt immer mehr Gewerbe in den Blick, große Einkaufsläden am Rand der Stadt, ein Stadion. Wir müssen raus. Am Meer sieht es hier unspektakulär aus. Wellenbrecher aus Beton und ein kleiner Park, ein Stadion von der letzten Olympiade. Wir gehen weiter und kommen an einen Jachthafen, leider abgesperrt. Eine Straße weiter ist alles voller Touristenlokale, die Athener fahren auch gern ans Meer. Wir trinken im Jachtclub einen Frappee und fahren zurück. In Athen gehen wir noch essen und das wars für heute...

Tag 4:

Nach dem Frühstück fahren wir mit der Metro in Richtung des neuen Akropolismuseums. Moderne Architektur, preisgekrönt. Auf dem Weg zum Eingang schreiten wir über Glas. Unter uns liegen die Gassen des antiken Athens. Innen ist es groß, weit und klar gegliedert. Nach der Eingangsschranke weitet sich der Gang in eine große Halle mit Freitreppe. Der gesamte Bau ist den Maßen des Parthenons, des Hauptbaus der Akropolis angepasst. Die Säulen im Inneren entsprechen dem Grundriss dieses Tempels, die Stockwerke enthalten die Artefakte entsprechend ihrer Höhe am Parthenon. Diese Museum ist fantastisch gut gemacht. Mich beeindrucken am stärksten die Forschung zur farblichen Fassung der Skulpturen und die rekonstruierten Steinmetzwerkzeuge. Die antiken Athener hatten Eisen (so heißen die Meißel in der Steinmetzsprache) in einer Qualität und Feinheit, die wir nicht mehr besitzen. Kaum zu glauben, aber wahr. Als Treffpunkt haben wir die Dachterrasse des Museumscafes bestimmt. Ein guter Platz, tolle Aussicht. Nach der Mittagspause bewegen wir uns weiter. Neues und letztes Ziel für diese Fahrt: der Likavittos, der Hausberg Athens. Dort oben soll der Blick fantastisch sein. Wir bummeln durch enge Gässchen, hier gibt es vor allem Andenkenläden. Kilometerlang. Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg zum Berg. Zunächst per Metro bis zum Syntagma, dann am Schloss vorbei den Berg hoch. Wohnviertel, gepflegt, hier wohnt die Mittelschicht, so wie es aussieht. Eine breite Treppe führt bergan. Nach und nach kommen auch die letzten aus der Puste und fangen an zu schwitzen. Dann sind wir am Fuß des eigentlichen Gipfels. Hier geht die Bebauung in Vegetation über. Felsen, Sträucher, Büsche... alles sieht sehr mediterran aus, klar. Der Weg führt in engen Serpentinen hinauf, unterbrochen von einzelnen Stufen. Wir schnaufen und schwitzen und langsam geht die Sonne unter und die Stimmung steigt... wegen des Ausblicks. Er wird immer spektakulärer. Der Himmel verfärbt sich und unter uns tauchen die vielen Schluchten des Großraums Athen auf. Die ganze Gegend besteht aus steilen Hügeln und bebauten Tälern. Und ganz hinten das Meer. Ein Amphitheater kommt in Sicht, die Akropolis, das Schloss. Endlich sind wir oben. Es ist voll auf der großen Terrasse. Die Athener lieben es, hier herauf zu kommen. Es gibt eine orthodoxe Kirche und ein Restaurant. Wir schauen uns um. Keiner bleibt unberührt. In alle Richtungen Stadt im Tal und felsige Hügel dazwischen. Ein wortwörtliches Häusermeer mit bergigen Inseln. Athen besteht aus einer Unzahl von zusammengewachsenen Gemeinden und Städten. Und ganz hinten das Meer. Der Himmel wird bunter und dunkler und in gleichem Maß beleuchtet sich die Stadt. Wir bleiben Stunden, genießen den Blick, diese Stimmung hier oben, schauen auf die Akropolis und alle sind sich einig, das hier ist der bestmögliche Abschluss dieser Fahrt. Langsam wird es kalt. Nach und nach gehen kleinere Gruppen Richtung Hotel. Ein paar Schüler und ich entscheiden sich, zu laufen. Berg runter und rechts ab. Hier scheinen die besseren Viertel zu sein. Gepflegte Geschäfte, keine Leerstände und am Kiosk gibt es sogar Zigarren aus dem Humidor. Edel! Durch Zufall laufen wir an der Kaserne der Evzonen vorbei. Gerade kommt die abgelöste Wache an und marschiert mit ihrem getragenen Schritt durchs Tor. Immer wieder kommen wir auch an den Bussen der Polizei vorbei und langsam wandelt sich das Stadtbild bis wir wieder in "unserem" Viertel sind, am Hotel. Auf dem Weg haben wir noch einen Laden mit griechischen Wurst- und Schinkenspezialitäten gefunden. Ist das Zeug gut! Die Stimmung ist gelöst, auf den Zimmern wird gefeiert, gepackt, zusammen gesessen. Morgen ist Abreise.

Tag 5, Abreise aus Athen:

Wir müssen sehr früh aus den Federn, Abflug bereits um 8:25 Uhr. Das bedeutet Treffpunkt um 5:00 Uhr, Lunchpakete abholen und mit der ersten Metro zum Flughafen. Dort klappt alles wie am Schnürchen. Das Einchecken wurde bereits per Handy und Internet erledigt, Koffer abgeben und es geht durch die Sicherheitskontrolle. Der DutyFreeBereich ist riesig. Einsteigen, Rückflug, Ankunft in Frankfurt um 10:25 Uhr. Viel Polizei am Gate, das ist so üblich wegen illegaler Einwanderer, Koffer abholen und nach Hause...

Fazit:

Es war ein Erlebnis. Fachlich und kulturell. Es war herausfordernd. Für die Sinne und den Intellekt. Und diese Fahrt hat polarisiert, viele unserer Schüler haben ihr Herz an diesen Ort verloren, manche hat diese Stadt erschreckt. Aber es war ein gemeinsames und wirklich nachhaltiges Erlebnis. Das machen wir wieder mal...